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Welttag der Poesie

Bredehorn.J / pixelio.de

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Welttag der Poesie

Die UNESCO hat den 21. März zum Welttag der Poesie ausgerufen. Der Welttag soll an den Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern.

Erfahren Sie hier mehr über den Welttag der Poesie.

Ausgewählte Poesie, die wir gern mit Ihnen teilen möchten:

Durs Grünbein - (Vom Hier und Jetzt) aus dem Zyklus: Asche zum Frühstück

Was, wenn der Blick immer früher zurückkehrt, das brave Tier,
Dem nichts Menschliches fremd ist? Alles Neue macht es nur müde.
Überschaubar geworden, illustriert, fällt es leicht durch den Schlitz
Der entzündeten Lider: dies protzige Jetzt, dies verstiegene Hier.
Was immer piano beginnt, wie auf Mäusepfötchen und als Etüde,
Dröhnt aus sämtlichen Boxen zuletzt. Im Fortissimo schwitzt
Die versammelte Meute, laut kreischend »Pan ist tot! Pan ist tot!«.
Nicht mal im Unbewußten steht Zeit so still, daß man unbeschwert
Atmend verweilen könnte. Im Nu sind die Augenblicke verpatzt,
Da der Ton noch schwebt, das Gesicht. Wiederholung droht
Jeder primären Regung. Mit einem Bleistift zur Schädelnaht quer
Kritzelt steif eine Hand den erlernten Namen. Gott, wie das kratzt.

 

 

Adolf Endler - Reklame für Adolf Endler

Ein fadenscheiniges Protestvergißmeinnicht; fiepend;
und mit grinsend verblühender Pfote -
       Die Besondere Note.

 

Elfriede Czurda

[4. januar]

                  was auf den tisch kommt
                  wird auf keinen fall
                  gegessen es wird sortiert
                  gestapelt gelocht zusammen
                  geheftet mit heftiger hand
                  überkritzelt zerknüllt
                  in den papier korb versenkt
                  heraus gefischt glatt
                  gestrichen mit tee voll
                  gekleckert weg damit
                  was auf den tisch kommt
                  wird verdaut wird verdaut

4. januar 2004; tisch

 

Andreas Altmann -  grenz wald

du blickst der grenze durch die augen. streu
siedlung, die verwesende haut der häuser.
du in den zimmern als kind. dahinter wege,
die sich um die blicke schnüren. magen
beschwerden vom kleiner werden. der wald
mit den schüssen auf dich gerichtet.

der vater müde vom schweigen. die mutter
müde vom schweigen. kein wort,
das zurück führt. sie kehren nicht heim
bis zum tod, der einen augenblick über
die zeit reicht. die grenze beginnt
in den augen davor. soldaten, papiere, ich

bin zu fuß mit den augen des vaters,
der meine hand fester drückt, und die perlen
auf mutters wimpern, die ich aufheb in leeren
zigarrenkartons und die beschlagen
bei jedem öffnen unter dem bett. im wald
sind gewehre vergraben, hat mir einer erzählt

ohne namen, seitdem sind die bäume
in den himmel geschossen, der hier verschwand.
ich achte nur auf den weg, daß ich heraus
find, bevor der abend sich aufstellt.
nur wenn ich allein bin im zimmer, schlaf ich
mit licht ein, das sich zerstreut.

 

Bas Böttcher - Geh´n wir! Teil 1

Wir sind ausgezogen, um neue Gebiete zu erkunden.
Inne Gegend, die wir beide noch nicht kenn. Und  haben einen
reizvollen Fleck gefunden, zum Verlaufen wie Dein
Lidstrich im Regen! Und wir brennen aufs Auslaufen

ins offene Meer der Straßenzüge, Wir ham dichten Verkehr
Straßenbahn und S-Bahnzüge lassen Böden beben.
Sag dem öden leben "Ade", laß Dich gehen; --, ich
laß dich nicht gehen. Wir erleben abgefah´ne

Phänomene. Wir treiben uns rum, bummeln weiter und
erforschen unberührte Territorien und Zonen. Kein
zweiter is´ so weit ich weiß bisher bis hier gekommen.
Die versteckten Regionen zu entdecken. Genau genommen

streichen wir auf ganz bestimmten Strecken an speziellen Ecken
langsam aneinander vorbei. Wir checken, dieser
Ausflug ist der Abflug! Das Ziel ist unbekannt!
Und wir machen den nächsten Schritt in unser Neuland.

 

Bertolt Brecht - Balade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens 

Der Mensch lebt durch den Kopf.
Sein Kopf reicht ihm nicht aus.
Versuch es nur, von deinem Kopf
Lebt höchstens eine Laus.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlau genug.
Niemals merkt er eben
Diesen Lug und Trug.

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch'nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben

Ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch sein höhres Streben
Ist ein schöner Zug.

Ja, renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr
Denn alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchslos genug.
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug.

Der Mensch ist gar nicht gut
Drum hau ihn auf den Hut.
Hast du ihm auf dem Hut gehaun
Dann wird er vielleicht gut.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht gut genug
Darum haut ihm eben
Ruhig auf den Hut!

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AnsprechpartnerInnen

Elke Wagner, Otto Wynen,
Rolf Kleine, Matthias Gottwald

Werkstatt für Demokratie
und Menschenrechte

Im OSZ OPR Haus B
– 3. Stock rechts
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16816 Neuruppin
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